Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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welches an alle europäiſchen Höfe gerichtet war, und welches Friedrich ſelbſt abgefaßt hatte. In demſelben verwahrte der König ſich feierlich gegen die Beſchul⸗ digung, eroberungsſüchtige Wünſche und willkührliche Kriegsgelüſte zu haben, erklärte ſich vielmehr nothge⸗ drungen und wider ſeinen Willen veranlaßt, den Krieg, den Oeſterreich durch ſeine großartigen Kriegs⸗ rüſtungen an ſeinen Grenzen und durch ſein beleidi⸗ gendes Betragen gegen Preußen offenbar provocire, anzufangen, und fügte hinzu, daß dies ſeinerſeits nicht ein Angriffs⸗ ſondern nur ein Vertheidigungskrieg ſei, da er aus den genaueſten und unzweifelhafteſten Quel⸗ len das Bündniß der deutſchen und ausländiſchen Mächte wider ihn erfahren habe, und durch ſeinen vertheidigenden Angriff ihrem provocirenden Angriff nur zuvorkomme!

Eine Pauſe trat ein, nachdem der Graf dieſes Manifeſt verleſen hatte. Das gutmüthige, wohlbe⸗ häbige Geſicht des Königs hatte einen unbehaglichen mißmuthigen Ausdruck angenommen, das blaſſe Antlitz

der Königin war, wie immer, gleichgültig, kalt und

ſtolz. Sie ſchien die Vorleſung des Geſandten kaum beachtet zu haben, und indem ſie ſich jetzt an die neben ihr ſitzende Churprinzeſſin wandte, richtete ſie an die⸗ ſelbe eine durchaus gleichgültige Frage, welche dieſe indeß nur mit leiſer, kaum hörbarer Stimme erwie⸗ derte. Die Gräfin Brühl hatte indeß ihre Augen niedergeſenkt, vielleicht um ihren treuloſen Geliebten, den Grafen Maltzahn, deſſen liſtige politiſche Liebes⸗ intrigne ſie in dieſem Moment vollkommen durch⸗ ſchauete, ihre Verwirrung und ihren Schmerz nicht

ſehen zu laſſen. Die beiden Churprinzen ſtanden ernſt, 8

und die Schwere dieſer Stunde vollkommen begreifend,

hinter dem König, und ihnen zur Seite befand ſich