ſich feſſen. Du würdeſt mir ſchon hundertmal ent⸗ laufen ſein, wenn der Eigennutz Dich nicht an mich feſſelte, denn Du weißt ſehr wohl, daß wenn Du Dich ohue meine Erlaubniß von mir entfernſt, ich Dich da⸗ durch ſtrafen würde, daß ich Dir Dein Geld nicht wiedergäbe, ſondern es an die Armenkaſſe auslieferte. Aber jetzt genug des müßigen Plauderns. Mache Dich reiſefertig, in einer halben Stunde muß Berlin ſchon hinter Dir liegen. Ich bewillige Dir einen Thaler Reiſediäten für jeden Tag. Nun eile Dich! Und denke daran, daß, wenn Du länger als acht Tage ausbleibſt, ich Dir nur ein Drittheil Deiner Erſparniſſe, die Du mir in Verwahrſam gegeben, auszahlen werde. Dieſe fürchterliche Drohung mußte bei dem armen Jean ihre Wirkung gethan haben, denn genau acht Tage ſpäter konnte Pöllnitz mit triumphirendem Ge⸗ ſicht der Prinzeſſin Amalie verſtohlener Weiſe ein klei⸗ nes Briefchen in die Hand drücken, das ſo lautete: „Ich danke Ihnen, Prinzeſſin, daß Sie meiner ge⸗ dacht, und mir Gelegenheit gegeben haben, einem Un⸗ glücklichen hülfreich zu ſein. Sie haben Recht, Gott hat die Menſchen geſchaffen, um frei zu ſein. Auch bin ich kein Gefängnißwärter und meine Offiziere ſind keine Büttel. Sie haben freilich die Pflicht, den un⸗ glücklichen Mann, welcher ſeit geſtern hier iſt, und den ich auf drei Tage als Gaſt in mein Haus genommen habe, von hier aus weiter zu geleiten, aber ſeine Füße werden frei ſein, wie ſeine Hände, und wenn er von den Vögeln die Schnelle, und von dem Roſſe den raſchen Lauf gelernt hat, wird ſeine Flucht ihm dies⸗ mal weniger Mühe machen, als einſt die Flucht aus der Citadelle von Glatz, denn meine Offiziere wachen nicht immer und Gottes Welt iſt ſo groß, daß ſie dieſelbe unmöglich ganz und gar überwachen können. Bis zu
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2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
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