Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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der dumpf und unheimlich wie das Todesgeſchrei der Nachteule erklang. Er iſt alſo gefangen? ächzte ſie.

Ja, gefangen, Königliche Hoheit, aber noch auf dem Transport. So lange er noch nicht die Schwelle ſei⸗ nes Kerkers überſchritten hat, iſt es noch möglich ihn zu retten. Herr von Weingarten, welcher, wie es ſcheint, Euer Königlichen Hoheit ſehr ergeben iſt, hat mir für Sie die ganze Transporttour aufgezeichnet. Hier iſt ſie.

Er reichte der Prinzeſſin ein kleines Blatt Papier hin, das dieſe mit zitternder Hand ergriff, indem ſie mit haſtigen Blicken deſſen Inhalt überflog.

Er kommt durch Cöslin, ſagte ſie dann faſt freu⸗

3 dig. Das iſt noch eine Ausſicht auf Rettung. In

Cöslin ſteht mein Jugendfreund, der Herzog von Würtemberg, er wird mir beiſtehen ihn zu retten. Pöll⸗ nitz, Pöllnitz, ſchnell, ſchaffen Sie mir einen Courier, der ſofort abgehen und dem Herzog einen Brief von mir überbringen kann. 2

Das wird ſchwer, wenn nicht unmöglich ſein, ſagte Pöllnitz bedenklich.

Sie flog mit jugendlicher Lebendigkeit von ihrem Sitz empor. Ihre Augen hatten ihr altes Feuer, ihre Züge ihre frühere Elaſticität und Beweglichkeit wieder gewonnen. Die Gluth ihrer Seele hatte die Schwäche ihres Körpers überwunden, ſie hatte ihre ganze Ener⸗ gie und Thatkraft wieder gefunden.

Nun denn, ſagte ſie entſchloſſen und feſt, und ſelbſt

ihre Stimme war jetzt feſt und tonvoll, nun denn, ſo werde ich ſelbſt gehen, und wehe dem, der es wagen will, mich zurückzuhalten. Man hat mir Seebäder ver⸗ ordnet, ich reiſe heute in dieſer Stunde noch ab, um ſie in Cöslin zu gebrauchen. Aber nein, nein, ich