Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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kenne, ſo lange ich lebe, und das immer am hellſten auf Ihrem Geſicht leuchtet, wenn Sie irgend ein Un⸗ glück zu verkünden haben.

Nun, dann muß es heute wenigſtens ſehr trübe ſein, dieſes verſteinerte Lächeln, ſagte Pöllnitz lachend, denn ich komme durchaus nicht als Unglücksbote, ſon⸗ dern wenn Euer Königliche Hoheit erlauben, als eine Art posrillon d'amonr.

Prinzeſſin Amalie zuckte leicht zuſammen und ein einziger Blick ihres Auges flog hinüber nach ihrer Hofdame, dem Fräulein von Marwitz, von welcher ſie ſehr wohl wußte, daß dieſe von ihrer Mutter ihr als Aufſeherin und Spionin zuertheilt worden, und daß ſie die Pflicht hatte, jeden Tag der Königin Mutter zu referiren, was ſich in den Zimmern der Prinzeſſin zugetragen habe. Sie ſah ſehr wohl, daß Fräulein von Marwitz mit ſchärfſter Aufmerkſamkeit Pöllnitz be⸗ obachtete, und ſeine Mienen wie ſeine Worte ihrem ſtrengſten Examen nnterzog.

Pöllnitz fuhr indeſſen vollkommen unbefangen fort: Sie erſtaunen, Königliche Hoheit? Es ſcheint Ihnen, daß dies verſteinerte Geſicht ſich wenig ſchicken will für einen postillon d'amour, und dennoch bin ich ein ſolcher, und ich muß Euer Königliche Hoheit um Er⸗ laubniß bitten, Ihnen ſogleich meine Botſchaft vortra⸗ gen zu können.

Aber ich gebe Ihnen dieſe Erlaubniß nicht, ſagte Amalie rauh. Ich habe nichts zu ſchaffen mit Amor, und finde ihn eben ſo langweilig und alt, wie den Boten, den er mir geſandt hat. Gehen Sie alſo zurück zu Ihrem Gott und ſagen Sie ihm, daß meine Ohren taub geweſen für ſeinen Liebesgruß, und daß das heiſere Gekrächze des Raben mir melodisſer erklingt, als die zarteſten Liebesworte, die Pöllnitz flöten kann.