Geſtern hatte der berühmte Sterndeuter Pfannen⸗ ſtiel ſie vor nahem Unglück gewarnt, und ihr geſagt, daß eine Wolke von Thränen im Begriff ſei, ſich auf ſie niederzuſenken. Prinzeſſin Amalie glaubte an ſeine 4 Worte, und erwartete mit entſchloſſenem Muthe das Zerplatzen dieſer Wolke, von der ſie ſich jetzt ſchon wie in graue Schleier eingehüllt fühlte.
In ſolchen Gedanken ward ſie durch ein leiſes Klopfen an ihre Thür unterbrochen, und ihre Hof⸗ dame trat herein, um ihr zu melden, daß der Ober⸗ Kaidnerher Baron von Pöllnitz ſie um eine Audienz itte.
Amalie ſchreckte zuſammen und richtete ſich mit un⸗ gewohnter Kraft aus ihrer ruhenden Stellung empor..
Laſſen Sie ihn eintreten, ſagte ſie haſtig. Die 4 — Hofdame entfernte ſich, um ihn zu holen; Amalien
ſchien dieſer kurze Moment der Erwartung eine Ewig⸗ keit der Angſt; ſie preßte ihre Hand auf ihr Herz, welches mit ſeinen ſtürmiſchen Schlägen ihre Bruſt zu zerſprengen drohte, ſie blickte mit ſtarren weit aufge⸗ riſſenen Augen nach der Thür hin, durch welche er eintreten mußte, und ein Schauder überlief ſie, als ſie das ewig lächelnde, ewig unveränderte Antlitz des un⸗ verwüſtlichen Höflings gewahrte, der jetzt an der Seite des Fräuleins von Marwitz ihr Boudoir betrat. I 8 Wiſſen Sie, Pöllnitz, ſagte ſie in ihrer rauhen, 4 4 herriſchen Weiſe, wiſſen Sie, daß ich glaube, Ihr Ge⸗ ſicht iſt nicht von Fleiſch und Blut, ſondern es iſt aus Stein gehauen, oder es iſt wenigſtens eines Tages verſteint. Vielleicht hat einmal, als Sie gerade über irgend eine Bosheit lachten, die Uhr geſchlagen, und da iſt Ihr Lächeln verſteinert und es thaut nun nie⸗ mals wieder auf und Sie müſſen immer lächeln mit
ſ rſteinerten, fratzenhaften Lächeln, das ich nun
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