Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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lichkeit des Glückes verſagt hat, und die daſſelbe daher

Ferne gezogen. Prinzeſſin Amalie war jetzt ganz allein.

Sie hatte Niemand, dem ſie ihre Klagen, ihre Sorgen und Befürchtungen ausſprechen konnte, Niemand, der den unterdrückten Angſtſchrei ihres Buſens verſtand, für ihre qualvollen Seufzer ein Wort des Troſtes und des Mitgefühls gehabt hätte.

Sie war ganz allein; aber dies Bewußtſein ſtählte ihre Kraft und legte ſich wie ein undurchdringlicher Panzer um ihre Seele. In dieſem Bewußtſein gab ſie ſich ganz hin an ihre Gedanken, an ihre Träume. So lebte ſie ein wunderbares, zauberhaftes Doppel⸗ leben, ein zweifaches Daſein. Von außen alt, gram⸗ erfüllt, krank und zerbrochen, war ſie innerlich jung, lebensfriſch, gluthvoll und energiſch, ausgerüſſtet mit

unerſchütterlicher Kraft und geſtählt an den Feuern

ihrer eigenen Schmerzen.

Sie lag auf dem Canapee und blickte zräumend gen Himmel. Eine ſeltſame, unerklärliche Angſt war in ihr, und machte ſie erbeben in geheimnißvollen Schauern. Immer hatte ſie das gefühlt, wenn ihm irgend ein Unglück begegnet, wenn ihr von Trenck eine ſchlimme Nachricht gekommen war. Es war, als ob ihre Seele an ihn wie durch eine electriſche Kette gebunden ſei, und ſie vermöge des electriſchen Stroms im ſelben Moment den Schlag empfände, der ihn be⸗ troffen. Amalie glaubte an ſolche Vorbedeutungen, ſie glaubte au Träume und Prophezeihungen, wie es leicht Diejenigen thun, welchen das Schickſal die Wirk⸗

nur in ihren Träumen und Geſichten aufſuchen kön⸗ nen. Sie liebte es daher, ſich von Wahrſagern und Kartenſchlägern ihre Zukunft verkünden, und ſich vor bereiten zu laſſen auf die dunklen und traurigen E eigniſſe, welche ihr bevorſtand 4