Jahren, welche dem Grabe zuſchwankt. Aber in die⸗ ſem ſo hinfälligen, ſo zerbrechlichen, zitternden Körper wohnte immer noch eine ſtarke, kräftige, geſunde Seele, in dieſem zerfallenen ächzenden Buſen wohnte ein glü⸗ hendes, jugendfriſches, leidenſchaftliches Herz.
Und dieſes Herz hatte mit einer eigenſinnigen und krankhaften Gewalt ſich angeklammert an die Liebe ihrer erſten Jugendjahre, es hatte in wildem Trotz gegen ihr eigenes Verhängniß ſich ſelber das Gelübde gethan, nimmer zu entſagen, nimmer die Treue zu brechen, ſondern Alles zu dulden, Alles zu leiden um der Liebe willen, und unter den Stürmen und Schmer⸗ zen eines vereinſamten, unverſtandenen und viel ge⸗
mißbilligten Daſeins einherzugehen mit unerſchütterlicher
Reſignation, mit nie zu beugendem Muth.— Sie war die Märtyrerin ihrer Geburt und ihrer Liebe ge⸗ worden, und ſie hatte ihr Märtyrerthum auf ſich ge⸗ nommen mit trotziger Entſchloſſenheit, mit begeiſterter, freudiger Reſignation.
Jahre waren vergangen, ſeit ſie Trenck zum letzten⸗ male geſehen, aber ſie liebte ihn noch. Sie wußte, daß er nicht mit der Treue, welche ſie ſich gegenſeitig geſchworen, ſeine Liebe bewahrt habe,— aber ſie liebte ihn noch! Sie hatte ihrem königlichen Bruder feier⸗ lich gelobt, dieſen thörichten und phantaſtiſchen Wün⸗ ſchen einer endlichen Vereinigung mit dem Geliebten für immer zu entſagen, aber ſie liebte ihn noch. Da ſie nicht für ihn leben durfte, wollte ſie wenigſtens für ihn leiden, da ſie ihn nicht beſitzen konnte mit ihrer Perſon, wollte ſie ihm wenigſtens angehören mit ihrer Seele und ihren Gedanken. Und in ihren Ge⸗ danken war ſie Sein, ganz nur Sein; er hatte ein heiliges, unverlierbares Recht auf ſie, denn im Ange⸗ ſicht Gottes hatte ſie ſich für das ganze Leben und
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