Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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I. Die unglückliche Rachricht.

Prinzeſſin Amalie war allein in ihrem Zimmer. Sie lag, in tiefes Sinnen verloren, auf dem Canapee, mit gen Himmel gewandten Augen, mit zitternden Lippen, welche zuweilen ein Wort der Klage oder des Flehens murmelten.

Amalie war krankw; ſie war es geblieben ſeit jenen unheilsvollen Tagen, wo ſie abſichtlich ihr Antlitz ent⸗ ſtellte, um dadurch ſich zu erretten vor der verhaßten Heirath.*) Ihre Augen hatten niemals ihren frühe⸗ ren Glanz, ihr früheres Feuer wieder erhalten, ſie waren immer geröthet und wie von Thränen ver⸗ ſchleiert. Ihre Stimme hatte für immer den Metall⸗ klang und die Jugendfriſche verloren, ſie drang wie dumpfe Grabestöne aus ihrer ächzenden und keuchen⸗ den Bruſt hervor. Peinvolle Schmerzen durchrüttelten zuweilen ihren ganzen Körper, und zogen ihre Glieder in wilden Krämpfen zuſammen. 3

Sie hatte das Anſehen einer Frau von ſechszig

.) Siehe: Friedrich der Große und ſeine Freunde. Von L. 8 Mühlbach. Bd. 2.

1r