Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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216 Der König hatte ganz recht prophezeiht. Frau Witte war eifrig bemüht geweſen, ihren Freundinnen die wichtige Nachricht mitzutheilen, daß der König von Preußen ihren Mann perſönlich beſucht habe und in Amſterdam ſei. Die Nachricht wälzte ſich wie eine Lawine von Haus zu Haus, von Straßenzu Straße, und gelangte ſelbſt bis an die Thür des erſten Bür⸗ germeiſters von Amſterdam, der trotz der ſpäten Abend⸗ ſtunde noch die Mitglieder des Magiſtrats zuſammen⸗ berief, und mit ihnen eine wichtige Berathung hatte, in Folge deren Polizeibeamte nach allen Hötels eilten, um die Liſte der in den letzten Tagen dort eingetroffe⸗ nen Fremden einzufordern, denn um den König zu begrüßen, mußte man vor allen Dingen erſt erfahren, wo er wohne.

In der Frühe des nächſten Morgens hielt ein ein⸗ ſacher Kaleſchwagen, nur mit zwei Poſtpferden be⸗ ſpannt, vor dem Hôtel zum ſchwarzen Raben. Die Gebrüder Zollern wollten abreiſen, und hatten eben zu dem größten Erſtaunen der Frau van der Blaken nicht nur ihre Rechnung ohne Murren bezahlt, ſondern auch ein überaus glänzendes Douceur für die Diener⸗ ſchaft gegeben. Die Frau Wirthin war daher ſelbſt auf den Hausflur getreten, um den beiden würdigen

Herren Zollern Lebewohl zu ſagen, und nickte ihnen freundlich zu, als ſie jetzt eben die Treppe hinunter⸗ kamen. Hinter ihnen ging der Diener mit dem kleinen Mantelſack und den beiden Muſikkaſten. Als er die Gaſtwirthin und den hinter ihr ſtehenden Oberkellner gewahrte, neigte Deeſen ſich näher zu dem König hin. Majeſtät, darf ich? flüſterte er leiſe. Jetzt noch nicht, erwiederte der König lächelnd. Erſt wenn wir im Wagen ſitzen!