Frau, rief ihr Mann, ſich von ſeinen Knieen erhe⸗ bend, komme her, falle nieder auf Deine Kniee und bitte um Verzeihung.
Nun, was habe ich denn gemacht? fragte ſie ver⸗ wundert.
Du haſt von dieſem Herrn verlangt, daß er die Schuhe auszöge.
Nun, und weiter?
Nun, ſagte Herr Witte feierlich, indem er den Arm auf die Schulter ſeiner Frau legte und ſie nie⸗ derzudrücken verſuchte, nun Frau, dieſer Herr iſt Se. Majeſtät der König von Preußen!
Aber dieſes inhaltsſchwere Wort that nicht die Wirkung, welche ihr Mann gehofft hatte.— Madame Witte blieb ruhig lächelnd auf ihren zwei unbeſchuheten Füßen ſtehen und blickte den König nur neugierig und erſtaunt an. 3
Jetzt flehe den König um Verzeihung an wegen
Deiner Unziemlichkeit, befahl ihr Mann. Bedenke doch, Du haſt ihn die Schuhe ausziehen laſſen.
Nun, warum iſt denn das eine Unziemlichkeit? fragte ſeine wackere Ehehälfte. Ziehe ich nicht ſelber jedes Mal die Schuhe aus, wenn ich hier eintrete? Und es iſt doch mein Zimmer, nnd nicht das des Kö⸗ nigs von Preußen.
Herr Witte ſchlug mit einer Geberde des Ent⸗ ſetzens die Hände über ſeinem Haupt zuſammen. Der König aber brach in ein lautes und herzliches La⸗ chen aus.
Ah, Sie ſehen alſo, daß ich Recht hatte, mein Herr, ſagte er, nur dadurch, daß ich mich in Gehorſam fügte, konnte ich dem König von Preußen eine Demüthigung


