Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Prunkgemach, ſie mußte alſo warten; denn nur das Putzzimmer durfte das Feld ihrer wirthſchaftlichen Thätigkeit ſein, nur dort durſte ſie ihrer Lieblings⸗ neigung fröhnen und ſelber fegen und reinigen, nur dort hatte ihr Gemahl ihr erlaubt, die Magd zu ſpie⸗ len; außer demſelben verlangte er von ihr, daß ſie die Dame des Hauſes, die vornehme Frau des reichen Banquiers darſtellen ſollte, und das war eine Rolle, welche der guten Holländerin wenig behagte. Sie ſchloß daher, wie geſagt, mit einem Seufzer die Thür des Prunkzimmers, und zog im Vorſaal ihre Schuhe, welche ſie beim Betreten ihres Putzzimmers ſtets aus⸗ zuziehen pflegte, wieder an, um vorſichtig auf dem Teppichſtreifen, welcher den Vorſaal durchzog, nach der anderen Thür hinzuſchreiten. In dieſem Moment hörte man draußen an der Klingel der Hausthür heftig ſchellen; Frau Witte bewegte ihre corpulente Geſtalt raſcher vorwärts, um, dem Drange ihrer weiblichen Neugierde folgend, zu ſehen, wer zu ſo ungewöhnlicher Zeit Einlaß begehrte.

Es waren zwei Fremde, welche ſchon in die Vor⸗ halle getreten waren und von dem Comtoirdiener, welcher zugleich die Geſchäfte eines Portiers zu ver⸗ richten hatte, verlangten, zu Herrn Banquier Witte ge⸗ führt zu werden.

Der Herr Witte iſt nicht zu Hauſe, und wenn Ihre Geſchäfte nicht dringend ſind, ſo kommen Sie morgen früh gefälligſt wieder.

Aber meine Geſchäfte ſind dringend, ſagte Herr Friedrich Zollern haſtig. Ich muß den Herrn Witte heute noch durchaus ſprechen.

Sollte er vielleicht Geld von ihm borgen wollen? dachte Madame Witte, welche durch die halbgeöffnete

Mühlbach, Friedr. d. Gr. ꝛc. I. 14