Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 200—

ſtehen und ſich ſelbſt ſeinen Lebensunterhalt zu erwer⸗ ben. Mag nun Deutſchland zu Grunde gehen, ich werde nicht verhungern, denn ich werde mir mit meiner Flöte Brod verdienen. Frau van der Blaken ſagt, daß ich es kann, und ſie iſt eine gewiegte Kunſtken⸗ nerin. Aber ſage ſelbſt, Bruder Heinrich, habe ich nicht eminent geſpielt?

Ja, es war das glänzeudſte Concertſtück, welches man hören konnte, ſagte Balby, und Herr Friedrich Zollern kann wirklich darauf reiſen, nur will ich ihm nicht rathen, es dem König Friedrich von Preußen vorzutragen, denn der würde ſagen, das ſei keine Muſik, ſondern nur leeres Tongeklingel.

Bravo, Freund, rief der König, ſeinem Liebling die Hand darreichend. Ja, das würde er ſagen! Der Herr Zollern hat geſpielt wie ein ächter Virtuoſe, das heißt, ohne Geiſt und ohne Seele, er hat nicht Muſik, ſondern Kunſtſtücke gemacht. Ah, aber da kommt die Paſtete, und ich ſage Dir, ſie ſoll mir köſtlich behagen, denn es iſt as erſte Mal, daß ich mir mit meiner Flöte etwas verdient habe. Laß uns eſſen, Bruder Heinrich!— 6

XV. Der Rönig ohne Schuhe.

Die Paſtete machte ihrem Rufe wirklich Ehre, und der König genoß ſie mit dem heiteren Behagen, wel⸗ ches man immer empfindet, wenn man den ſich ent⸗