Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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lenvollen, erhabenen und erhebenden Ausdruck, nicht mit dieſer getragenen, ſchwebenden Melodie, mit dieſen verduftenden, klagenden, aufjauchzenden Tönen, wie er ſonſt zu ſpielen pflegte. Es war ein glänzendes, ſchil⸗ lerndes Allerlei, ein brillantes Hin⸗ und Herrollen von Tönen, es waren die glänzendſten Coloraturen und Fiorituren, die ſchönſten Doppeltriller und Läufe auf und nieder, es mar eine ſtaunenerregende Muſterkarte aller überwundenen Schwierigkeiten ſeines Inſtrumen⸗ tes, nur fehlte dieſem bunten, glanzvollen Gewirr die Seele und der Gedanke, nur fehlte ihm die Melodie. Es war nur ein glänzendes Virtuoſenſtück, aber keine Muſik.

Frau van der Blaken indeß hörte mit immer wach⸗ ſendem Entzücken dieſen wunderbaren Exercitien zu; dieſe Triller, die von Octaven zu Octaven ſprangen, entlockten ihr laute Beifallsrufe, dieſe wachſenden, vollendeten Läufe machten ſie erbeben vor Entzücken, und als der König jetzt mit einer brillanten Cadenz ſchloß, klatſchte ſie mit lautem Jubelruf in die Hände.

Dann ſtand ſie auf, und ſich faſt ehrfurchtsvoll vor dem Künſtler in dem unſcheinbaren braunen Rock verneigend, ſagte ſie feierlich: Ihr Herr Bruder hat Recht, Monſieur. Sie ſind wohl im Stande mit Ihrer Pfeife da Geld zu verdienen, denn Sie pfeifen noch ſchöner als mein Dompfaff. Sie ſollen alſo meine Paſtete haben, ich gehe ſie Ihnen zu beſorgen.

Sie nickte den beiden Herren Zollern freundlich und wohlwollend zu, und entfernte ſich dann mit ge⸗ ſchäftiger Eile.

Nun, ſagte der König lachend, das war doch in der That eine allerliebſte Scene, für welche ich Dir wirklich dankbar bin, Bruder Heinrich. Wahrhaftig, es iſt doch ein ſtolzes und glückliches Gefühl, zu wiſſen, daß man im Stande iſt, auf ſeinen eigenen Füßen zu