Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Deshalb wünſcht mein Bruder ſie auch nicht für Jedermann, ſondern nur für allein zu haben, Madame, ſagte Balby mit feſtem und entſchiedenem Ton, welcher der ſtolzen Gaſtwirthin ein wenig imponirte.

Mein Herr, ſagte ſie nach einer kurzen Pauſe, ver⸗ zeihen Sie mir, wenn ich ganz offen zu Ihnen rede. Sie wollen eine meiner berühmten Paſteten eſſen, und

Sie wollen ſie noch dazu ganz allein auf einem be⸗

ſonderen Zimmer haben, wie es der General⸗Statt⸗ halter thut, oder die hohen Potentaten, die ſonſt bei mir logiren. Nun gut, ich habe heute Morgen eine Rebhünerpaſtete mit Trüffeln und indianiſchen Vogel⸗ neſtern angefertigt, aber— Sie werden dieſelbe nicht bekommen, denn, um Ihnen die Wahrheit zu ſagen, dieſe Paſtete iſt enorm theuer, und weder Sie, noch Ihr Bruder ſehen mir darnach aus, daß Sie dieſelbe bezahlen können.

Jetzt war es an Balby laut aufzulachen, und er that das mit der Heiterkeit und Ungenirtheit eines Mannes, der ſich durchaus ſicher und gar nicht belei⸗ digt oder genirt fühlt.

Frau van der Blaken fühlte ſich ein wenig ver⸗ wirrt durch dies ungenirte Gelächter. Sie lachen, mein Herr, ſagte ſie eifrig, aber ich denke, ich habe wohl Grund, Ihnen keine Schätze zuzutrauen. Sie ſind in beſtaubten Kleidern zu Fuß in meinen Gaſt⸗ hof gekommen, nur begleitet von einem Diener ohne Livree, der einen ganz kleinen Mantelſack trug. Sie haben alſo weder Equipage, noch Dienerſchaft, noch Gepäck mitgebracht. Sie empfangen keine Beſuche und ſcheinen auch keine zu machen, ſondern bleiben immer in ihrrn langweiligen, unſcheinbaren, braunen Röcken. Sie haben noch nicht einmal bei mir zu Mittag ge⸗ geſſen, ſondern verbringen den ganzen Tag außer dem