Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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ſitzerin des Hotels zum ſchwarzen Raben,— Sie war noch in voller Toilette, denn ſie kam eben aus dem Speiſeſaal, wo ſie als Dame des Hauſes an der Table d'Haôte präſidirt und die Lobſprüche ihrer Gäſte empfaͤngen hatte.— Dieſe Lobſprüche tönten noch wie eine ferne Melodie in ihren Ohren wieder und ſie ließ ſich wohlbehaglich auf's Canapee niedergleiten, um der⸗ ſelben zu lauſchen. Da ward die Thür geöffnet und der Oberkellner meldete ſeiner Herrin den Herrn Zol⸗ lern.— Das Geſicht der Frau van der Blaken ver⸗ finſterte ſich und ſie war eben in Begriff, eine abwei⸗ ſende Antwort zu geben. Aber es war ſchon zu ſpät, denn der übermüthige Herr Zollern hatte die Dreiſtig⸗ keit gehabt, gleich hinter dem Oberkellner einzutreten, und machte der hochgebietenden Dame jetzt ſeine re⸗ ſpektvolle Berbeugung.

Frau van der Blaken erwiederte dieſelbe nur mit einem leiſen Neigen des Kopfes und betrachtete den Fremden in ſeiner unſcheinbaren, durchaus nicht vor⸗ nehmen Toilette, mit einem geringſchätzenden Lächeln. Dieſer Mann konnte in der That nur aus Verſehen in ihr Hôtel gekommen ſein, er war weder durch Rang noch durch Reichthum oder Berühmtheit berechtigt in dem erſten Gaſthof von Amſterdam zu wohnen, und Frau van der Blaken machte in ihren Gedanken ihrem Oberkellner die heftigſten Vorwürfe, daß er ſich herab⸗ gelaſſen, Leute dieſer Art, ſolche„Herren von Habe⸗ nichtſe“ in ihrem Hauſe aufzunehmen.

Mein Herr, ſagte ſie in ſchneidendem, kalten Ton, Sie kommen ohne Zweifel mir eine Entſchuldigung zu ſagen, weil Sie mit Ihrem Bruder heute wieder, wie alle Tage an meiner Table d'Hoôte gefehlt haben, denn gewiß hat man Ihnen geſagt, daß es hier zum Anſtand gehört, in dem Gaſthof, in welchem man logirt, auch