Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Schrecken, wenn man uns hier überraſchte, Hoheit, wenn man—

Fürchten Sie nichts, man wird uns nicht über⸗ raſchen, ſagte ihr Begleiter, Pöllnitz hält Wache vor der Thür. Da wir alſo ungeſtört und allein ſind, ſo wollen wir zuerſt eine Maske von unſerm Antlitz nehmen, vielleicht bleibt doch noch eine darauf haften!

So ſprechend nahm der vermeintliche Prinz Hein⸗ rich ſeine Maske ab und warf ſie auf den Tiſch.

Der König, rief Frau von Kleiſt, entſetzt einen tt zurückweichend.

Des Königs große Augen ruhten mit einem durch⸗ bohrenden Ausdruck auf ihr. Wie? fragte er, Sie ſpielen alſo noch immer Maskerade? Sie ſtellen ſich erſtaunt, und doch wußten Sie ja, daß ich es war! Wem anders als dem König würde ſonſt wohl die ſchöne Frau von Kleiſt eine ſolche Auszeichnung wider⸗ fahren laſſen? Zu welchem andern Cavalier könnte ſie wohl ein ſo unbedingtes Vertrauen haben, daß ſie ihm hierher folgte, in dieſes einſame Boudoir, das mit ſeinem roſigen Ampellicht und ſeiner geräuſchvollen

Stille wirklich für jeden Andern gefährlich ſein würde, und ganz geeignet iſt die ruhigſten Sinne und das kälteſte Herz zu entflammen? Wem anders als dem König allein würde Luiſe von Schwerin, nicht doch, Luiſe von Kleiſt auf dieſe Art ihre Ehre, ihren Namen und ihre Perſon überantworten? Aber Sie wiſſen, daß Sie ganz außer Sorgen ſein dürfen, denn in Meiner Nähe ſein, heißt ſich unter Meinem Schutze beſinden, unter dem Schutze eines Königs, dem die Sorgen und Laſten ſeiner Königspflichten längſt das Herz eines Mannes überwuchert und erſtickt haben. Ich danke Ihnen, daß Sie mich richtig erkannt haben und mir hierher gefolgt ſind.“