Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Und wo iſt mein Sultan? fragte ſie leiſe.

Hier iſt er, ſagte die zweite Maske, der ſchönen Frau den Arm reichend, und Luiſe ſah durch die Maske dieſe großen brennenden blauen Augen ihr entgegen ſtrahlen, welche Niemand auf der Welt außer dem König und dem Prinzen Heinrich beſaß.

Ach, mein Prinz, flüſterte ſie leiſe und faſt vor⸗ wurfsvoll, Sie ſehen, daß ich es war, welche er⸗ wartete.

Der Prinz antwortete nicht, er führte ſie nur haſtig durch das Gedränge, während Pöllnitz vorauf

ſchritt und ihnen den Weg anzudeuten ſchien, wel hen ſie gehen ſollten. So gelangten ſie bald an das Ende des Saals zu dieſer kleinen Treppe, über welche man zu dem kleinen Boudoir gelangte, aus welchem man auf den Balcon trat, der die obere ſchmale Seite des Saals begrenzte. Von dieſem Balcon aus konnte man den ganzen Saal überſchauen, aber wenn man nur unbemerkt und unbeobachtet von der Geſellſchaft da oben in dem Boudoir ſein wollte, ſo hatte man nur nöthig, dieſe ſchweren ſammetnen Vorhänge, welche das kleine Kabinet von dem Balcon trennten herab⸗

zulaſſen und man befand ſich alsdann in einem reizen⸗ den kleinen Boudoir, zu dem die Muſik und das Ge⸗ räuſch des Tanzſaals nur wie das Geräuſch der Wogen, die ſich an der Inſel der Glückſeligen brachen, empor⸗ tönte.

Zu dieſem Boudoir führte Herr von Pöllnitz jetzt das ſchweigende Paar. Mit geſchäftigem Eifer öffnete er ihm die Thür und hieß es eintreten; nachdem er dann die Balconvorhänge hatte herniederrauſchen laſſen, verneigte er ſich ehrerbietig und ſchlüpfte hinaus.

Mein Gott, flüſterte Luiſe mit wohlerkünſteltem