Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Von mir, Camilla? Comödie ſpielen ſehen?

Oh, ſehr oſt, rief ſie lachend. Vor einigen Tagen noch, Mama! Denke doch daran, wie wir ſo herzlich mit einander lachten und ſcherzten. Da ward Dir der Prinz Heinrich gemeldet und Du ſchickteſt mich in die andere Stube, aber die Thür blieb auf und ich ſah ſehr wohl, daß Du plötzlich ein ſehr betrübtes Geſicht machteſt und ich hörte, wie der Prinz Dich nach Dei⸗ nem Befinden fragte und da antworteteſt Du:„Ich bin krank, Hoheit, und wie ſollte es auch anders ſein, da ich immer weine und mich verzehre in Kummer und Sehnſucht.“ Nun, Mama, war das nicht Co⸗ mödie geſpielt?*

Luiſe von Kleiſt antwortete nicht; ſie legte nur hochathmend ihre Hand auf ihr Herz, denn ſie fühlte da einen dumpfen, ahnungsvollen Schmerz, ein unbe⸗ ſchreibliches Angſtgefühl.

Camilla fuhr fort: Oh, ich habe auch geſehen, wie zärtlich Dich der ſchöne Prinz dann anſah und wie er Deine Hand küßte und ſagte, Du wärſt ſchön wie ein Engel. Oh, Mama, ich werde auch ſchön wer⸗ den und dann will ich auch von einem Prinzen geliebt werden.

Aber um ſchön zu werden, muß man vor allen Dingen gut, verſtändig und tugendhaft ſein, ſagte die ſchöne Odaliske mit ernſter Miene.

Die kleine Camillla ſetzte ſich in ihrem Bett auf⸗ recht; das weiße Nachtgewand war von ihren Schul⸗ tern herabgeglitten und ließ ihre weichen, lindlichen Formen ſehen, ihre braunen Locken ringelten lang über den entblößten Nacken nieder nud verloren ſich dann unter dem weißen, ſpitzenbedeckten Nachtkleide. Die Ampel, welche von der Decke niederhing, beleuchtete

Wann haſt Du mich denn