Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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zu dem Bette ihres Kindes hin. Ein ſeltſamer An⸗ blick war es, dieſe Frau in dem phantaſtiſchen und üppigen Anzug ſich mit ſo frommen und zärtlichen Blicken über das Lager dieſes kleinen Mädchens neigen zu ſehen, mit gefaltenen Händen und leiſe flüſternden Lippen, die vielleicht ein Gebet oder einen frommen Wunſch lispelten.

Wie ſchön ſie iſt, flüſterte Luiſe, gar nicht ahnend, daß ihre eigene Schönheit in dieſem Moment in einem faſt rührenden Glanze ſtrahlte, daß die Mutterliebe ſie aus einer verführeriſchen Coquette in eine anbetungs⸗ würdige Heilige verwandelt hatte. Wie ſchön ſie iſt, wiederholte ſie noch einmal, und wie wenig ſie noch von der Unreife des Kindes an ſich hat. Wahrhaftig, man ſollte glauben dieſes Kind von zehn Jahren ſei ſchon ein junges Mädchen, eine Hebe, welche ganz würdig iſt, die Götter zu bedienen.

Ein luſtiges, ſchallendes Gelächter ihrer Tochter unterbrach ſie, das Kind ſchlug die großen ſchwarzen Augen auf und blickte vergnügt zu ihrer Mutter empor.

Böſewicht, Du ſchliefſt alſo nicht? fragte die Mut⸗ ter lächelnd.

Nein, Mama, ich ſchlief nicht, lachte Camilla. Ich ſpielte nur ein wenig Comödie.

Ach, und von wem haſt Du denn das gelernt, Comödie zu ſpielen, mein kleiner Tollkopf? fragte Luiſe zärtlich.

Das Kind blickte mit ihren großen Augen nach⸗

denklich eine Zeitlang vor ſich hin, wie das Kinder zu zu thun pflegen, wenn ſie von irgend einer Frage überraſcht und zum Nachdenken aufgefordert werden.

Ich glaube, Mama, ſagte ſie dann langſam, ich glaube, ich habe das von Dir gelernt.