Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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mit hellem Schein ihr reizendes Angeſicht und machte die Gold⸗ und Silberſtickerei und die Brillanten an dem phantaſtiſchen Anzuge ihrer Mutter höher funkeln. Camilla war in dieſem Moment, wie ſie, die nack⸗ 3 ten Arme über der Bruſt kreuzend, zu ihrer Mutter emporſchaute, wirklich ſchön wie ein Engel, aber es waren doch ſchon irdiſche und gefährliche Gedanken in ihrem Herzen. Mama, ſagte ſie, warum willſt Du denn, daß ich tugendhaft ſein ſoll, da Dn es auch nicht biſt? Luiſe erbebte und blickte ihre Tochter entſetzt an. Wer hat Dir geſagt, daß ich nicht tugendhaft ſei? fragte ſie. Mein armer, lieber Papa hat mir das geſagt, als er zum letzten Male hier war und ich einige Stunden bei ihm ſein durfte. Oh, er hat mir ſehr viel erzählt, Mama, fuhr das Kind mit ſchlauem Lächeln fort, er hat mir erzählt, wie Du einen ſchönen Gärtnerbur⸗ ſchen geliebt haſt und mit ihm davon gelaufen biſt und wie der Papa Dich auf Befehl des Königs ge⸗. heirathet und von der Schande errettet hat. Und er ſagte, Du wärſt gar nicht dankbar dafür geweſen, ſon⸗ dern habeſt ihn oft verrathen und betregen und bloß weil er ſo unglücklich durch Dich geworden, habe er zuletzt ſo viel Wein getrunken, um ſein Unglück zu vergeſſen. Ach, Mama, Du glaubſt nicht wie er * weinte, der arme Papa, als er mir das Alles erzählte

und wie er mich beſchwor, ich ſollte gar nicht ſo wer⸗ den wie Du, ſondern mir Mühe geben, ganz anders zu werden, damit alle Menſchen mich achten und lie⸗ ben könnten.

Während Camilla ſo ſprach, war ihre Mutter lang⸗

ſam, wie zerſchmettert, neben ihrem Bette zuſammen⸗

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