Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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welche ſo eben vollendet war. Und in der That, ſie hatte wohl Urſache zufrieden zu ſein. Dieſes Coſtüm einer Odaliske ſtand ihr außerordentlich gut und paßte ganz zu ihrer üppigen Schönheit, zu dieſen großen, ſchwimmenden blauen Augen, zu den vollen, purpur⸗ rothen Lippen und zu dieſer ſchmiegſamen, vollen Geſtalt, die bei aller Ueppigkeit doch ſchlank, und im ſchönſten Ebenmaß war.— Luiſe von Kleiſt war noch immer vou einer ſtrahlenden Schönheit trotz ihrer acht und zwanzig Jahre und trotz der mancherlei Stürme und Schmerzen, welche zuweilen ihr ſchönes Angeſicht wie mit Wolkenſchleiern umhüllt. Aber die Roſen auf ihren Wangen waren davon nicht erbleicht, die Ju⸗ gend war in ihrem Herzen ebenſo wenig geſtorben, wie in ihrem Angeſicht.

Luiſe von Kleiſt glich in ihrem Innern noch ganz der kleinen Luiſe von Schwerin der frühern Tage, dieſer kleinen übermüthigen Schwärmerin, welche es romantiſch fand, einen jungen Gärtuer zu lieben und ganz bereit war, mit ihm in das Paradies der Liebe zu entfliehen.) Damals hatte des Königs Fürſorge ſie von ihrer romantiſchen Thorheit gerettet und ihr einen andern Gemahl gegeben. Aber dieſe unglück⸗ liche Ehe mit dem armen Herrn von Kleiſt, dem Gold⸗ macher und Teuſelsbeſchwörer, war jetzt überwunden und vorüber, und Luiſe von Kleiſt war jetzt wieder frei und feſſellos. Sie fühlte in ihrem Herzen noch immer etwas von der wilden und abenteuerlichen Ro⸗ mantik der kleinen Luiſe von Schwerin, ſie hatte ſich noch immer dieſen glücklichen Leichtſinn, dieſen phan⸗ taſtiſchen Durſt nach Abenteuern bewahrt: ſie war noch

.) Siehe Friedrich der Große und ſein Hof. Roman in drei Bänden. Von L. Mühlbach. 4 3