Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Euere Königliche Hoheit an den König zu verrathen. Außerdem wiſſen nur zwei Perſonen mit Beſtimnit⸗ heit, daß Sie den Ball beſuchen werden, das iſt der Prinz von Preußen und eine ſchöne Frau, deren ſchö⸗ nen Augen Thränen der Freude entſtürzten, als ich ihr die Botſchaft Euerer Königlichen Hoheit überbrachte. „Sagen Sie dem Prinzen“, flüſterte Sie mit ihrer bezaubernden Sirenenſtimme,„ſagen Sie ihm, daß ich ihn dort erwarten würde und wenn ich wüßte, daß der Zorn des Königs mich nachher zerſchmettern würde.“

Der Prinz erröthete vor Glück und zugleich vor Schaam. Und Sie ſagen, daß es unmöglich iſt den König jetzt noch zu ſtören? fragte er.

Unmöglich, mein Prinz. Ich wenigſtens würde nicht den Muth haben, mich ihm im Conzertſaal mit einer Depeſche oder einem Brief zu nähern. Der Löwe iſt immer gefährlich, ſelbſt wenn er die Flöte bläſt. Aber wenn das Conzert beendet iſt? Sollte man ihm dann nicht einen Brief von mir überreichen dürfen?

Alle Briefe, die heute noch einpaſſiren, werden in das Arbeitscabinet des Königs gebracht, wo er ſie morgen früh lieſt, es müßte denn ſein, daß es wich⸗ tige Regierungs⸗Angelegenheiten oder plötzliche Un⸗ glücksfälle beträfe, und ich denke nicht, daß der Brief Euerer Königlichen Hoheit in dieſe beiden Kategorieen ehört.

Wir müſſen alſo darauf verzichten, ſagte der Prinz ſeufzend.

Verzichten den König zu ſehen, ja! denn der Kö⸗ nig iſt für heute unzugänglich und wird ſeine Zimmer in Sansſouci nicht mehr ve ſen.