Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 18—

derer Offiziere bewieſen, war unerbittlich, ſobald es ſich um den Prinzen handelte. Jede heimliche Reiſe nach Berlin ward mit einigen Tagen Stubenarreſt ge⸗ ahndet, und da die jungen Freunde und Genoſſen des Prinzen es für eine Ehre hielten, die Strafe und die 5 Ungnade des Prinzen zu theilen, ſo war ſeit einiger

Zeit unter den jungen vornehmen Offizieren eine Art Wetteifer entſtanden, gleich dem Prinzen in Arreſt ge⸗

ſchickt zu werden,*) und ſie waren ſtolz auf ihre Strafe,

wie auf eine Bevorzugung welche ſie dem Prinzen

nur noch näher ſtellte. 3

Auch jetzt wieder hatte der Prinz einige Tage Ar⸗ reſt gehabt, denn ſein öfter wiederholtes Vergehen hatte eine Verſchärfung der Strafe nach ſich gezogen und ſtatt einen Tag hatte der Prinz jetzt vier Tage einſam und im Arreſt auf ſeinem Zimmer zubringen müſſen. Aber die Stunde der Erlöſung näherte ſich jetzt und Prinz Heinrich erwartete ſie mit Ungeduld.

Endlich jetzt vernahm man von der nahen Schloß⸗ kirche her den lauten Schall der Thurmuhr, welche die ſechste Stunde verkündete. Sofort öffnete ſich die Thür und ein Ordonnanzoffizier erſchien, um dem Prinzen im Namen des Königs anzukündigen, daß ſein Arreſt abgelaufen ſei.

Der Prinz antwortete mit einem ſtummen Kopf⸗ nicken und blieb ſitzen, indem er nur mit einer ge⸗ bieteriſchen Handbewegung nach der Thür hindeutete. Aber als der Offizier wieder hinausgegangen war, erhob ſich der Prinz haſtig von ſeinem Sitz und ging mit raſchen Schritten einige Male auf und ab.

Er behandelt mich wie einen Schulknaben, mur⸗

*) Thiébault: Souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin. Vol. II., P. 136.