Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Begeiſterung, der ſelbſt in den kühlſten und nüchtern⸗ ſten Momenten das Antlitz des Königs wie ein Son⸗ nenſtrahl erleuchtete. Die Augen des Prinzen waren faſt immer gebieteriſch und ſtreuge, ſein Mund zeigte ſelten ein mildes und wehmüthiges, ſondern oft ein ſpottendes und geringſchätziges Lächeln, ſeine Stirn leuchtete von Verſtand und Hoheit, aber ſie war nicht gezeichnet mit dem Lichtſtrahl der Begeiſterung. Der Prinz beſaß vielleicht einen hohen Geiſt, einen ſcharfen Verſtand, aber es fehlte ihm die Seele eines Dichters, es fehlte ihm das innere poetiſche Schauen, das wie eine göttliche Verkündigung aus den Augen blitzt und Jedermann zur Bewunderung und zur Liebe hinreißt. So war der Prinz ganz das Ebenbild und zugleich das Widerſpiel des Königs, das andere Ich ſeines königlichen Bruders, nur daß ihm die Genialität fehlte. Und da die klugen und verſtandesſcharfen Menſchen die begeiſterungsvolle Genialität gewöhnlich als ein überflüffiges und verwirrendes Etwas betrachten, ſo erlaubte ſich der Prinz zuweilen über die dichteriſchen Beſtrebungen des Königs und über ſeinen vertrau⸗ lichen ungezwungenen Verkehr mit Schriftſtellern und Dichtern zu ſpotten und die Handlungen ſeines Bru⸗ ders auf eine nicht jedes Mal vorſichtige und ſchonende Weiſe zu kritiſiren. Der König, welcher das wußte, denn ſelbſt die Könige haben Freunde, welche ihnen die unangenehmen Dinge hinterbringen, der König war dadurch gereizt gegen ſeinen Bruder, und ſehr geneigt die kleinen Unbeſonnenheiten und Subordina⸗ tionsfehler des Prinzen für einen vorbedachten und überlegten Widerſtand gegen ſeinen Willen zu halten. Mit deſto größerer Strenge ahndete er daher die klei⸗ nen Vergehen, je heftiger und rückſichtsloſer der Prinz ſich gegen dieſe Strenge opponirte. So war dieſer

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