Prinz Heinrich.
Den Kopf auf den Arm geſtützt, ſaß der Prinz Heinrich ſtill und unbeweglich in ſeinem einſamen Ge⸗ mach. Seine großen Augen, dieſe Augen, welche ſo ſehr denen ſeines königlichen Bruders glichen, waren ſtarr zu der Decke des Zimmers empor gerichtet, und es mußten finſtere Gedanken ſein, welche ſeine Seele bewegten, denn ſeine Stirn war umwölkt, und ſeine Lippen waren wie im Zorn zuſammengepreßt. Wer ihn nicht kannte, würde geglaubt haben, es ſei der König, welchen er da vor ſich ſehe, ſo groß und auf⸗ fallend war beim erſten Anſchauen die Aehnlichkeit der beiden Brüder. Es war dieſelbe Figur, daſſelbe An⸗ geſicht, daſſelbe große blaue Auge, dieſelbe hohe zurück⸗ gebogene Stirn, derſelbe Schnitt der Naſe und des Mundes. Aber doch, je länger man dieſes Geſicht anſchaute, deſto mehr ward man ſich der Unterſchiede
bewußt, und wenn man damit angefangen hatte, eine
frappirende Aehnlichkeit zwiſchen dem König und dem Prinzen Heinrich zu finden, ſo hörte man damit auf,
dteſe Aehnlichkeit ganz und gar zu beſtreiten. Es war
nur eine Aehnlichkeit der äußern Formen, nicht aber des geiſtigen Ausdrucks. Es fehlte den Augen dieſes bald ſchwärmeriſche, bald leidenſchaſtliche Feuer des Königs, es fehlte ſeinem Mund dieſes ſo ſanfte, faſt rührende und wehmüthige Lächeln, es fehlte ſeinem ganzen Angeſicht, ſo ſchön es immer war, doch dieſer Zauber der Genialität, dieſer ſtrahlende Ausdruck der
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