Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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hüten. Ich muß wiſſen, was meiner Brüder wol⸗ len, um darnach beſtimmen zu können, was ſie ſollen. Denn die Prinzen des Königlichen Hauſes haben ſo gut eine Miſſion zu erfüllen, als der König ſelber: ſie haben die Miſſion, dem König zu gehorchen, dem ganzen Lande voranzugehen, als ein Beiſpiel freu⸗ digen und ſchweigenden Gehorſams und ſtrengſter Pflichterfüllung. Ich will, daß auch meine Brüder dieſe Miſſion erfüllen, und da Er einmal der Karren⸗ gaul iſt, auf welchem die Familie Hohenzollern ihre kleinen häuslichen Geheimniſſe abladet, ſo vergeſſe Er niemals, daß das Kabinet des Königs allein der Ort für Ihn iſt, wo Er ſich der Laſt dieſer Geheimniſſe entledigen und ſie ablagern darf. Sage Er alſo ſchnell! Hat mein Bruder irgend eine Amour, die ihn von einer legitimen Ehe zurückhält?

Sire, es iſt von des Prinzen Seite, wie ich glaube, nur eine Amour der Langenweile, obwohl er ſchwört, daß es ſeine erſte Liebe ſei.

Das iſt ein Schwur, den man bei jeder neuen Verliebtheit wiederholt, und der mich daher nicht er⸗ ſchreckt, ſagte der König lächelnd. Und wie heißt Sie, welche außer dem Mond allein ſeine verliebten Schwüre gehört hat? Ohne Zweifel iſt es eine Fee, eine Göttin der Schönheit.

Ja, Sire, ſie iſt jung, ſie iſt ſchön, und da auch ſie ſchwört, daß der Prinz ihre erſte Liebe iſt, ſo hat Niemand das Recht daran zu zweifeln, denn Niemand verſteht ſich beſſer auf die Liebe als dieſe Frau, welche Niemand anders iſt, als die ſchöne Frau von Kleiſt,

die, wie Euere Majeſtät ſich erinnern werden, vor

einiger Zeit ſich von ihrem Gemahl ſcheiden ließ. Und nun wieder auf Freiersfüßen iſt, wie es

ſcheint, ſagte der König mit einem verächtlichen Lücheln.

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