Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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gebenheit, um nicht volles Vertrauen zu mir haben zu müſſen.

Ja, es iſt wahr, Sie kennen die geheime Geſchichte unſeres Hauſes ſehr wohl, ſagte der König ernſt. Sie kennen ſie ſeit dem Anbeginn unſers Königthums und noch von früher her. Sie haben niemals auf dem Felde der Ehre, aber oft genug auf dem Felde der Hof⸗Intriguen ſich Ihre Lorbeeren erkämpft. Sie waren dabei, als mein Großvater ſich zum König krönte und ſeinen prunkvallen Einzug hielt durch dieſe neue Berliner Straße, welche man ſeitdem die Kö⸗ nigsſtraße genannt hat; Sie waren auch dabei, als ſeine wahnſinnige dritte Gemahlin mit lautem Geheul im weißen Nachtkleide in ſein Krankenzimmer kam und ihn zum Tode erſchreckte, weil er vermeinte, er habe die weiße Frau geſehen.*) Er ſtarb wirklich an die⸗ ſem Schreck, und Sie ſchwuren einem neuen König Treue und Gehorſam, und wurden der Vertraute der Familien⸗Intriguen des neuen Hofes, und verriethen gelegentlich unſere kleinen Intrignen an den König, wie Sie deſſen Geheinniſſe früher auch gelegentlich an ſeinen Vater, den frühern König, verrathen hatten. Sie ſind ein allzeit gehorſamer Diener deſſen geweſen, der ſich König nannte und der die Macht und das Geld hatte, Ihren Verlegenheiten abzuhelfen. Sie haben es insgeheim immer mit dem Kronprinzen ge⸗ halten, aber Sie haben ihn immer doch an den König verrathen. Ich will, daß das auch ferner ſo ſein ſoll. Ich muß in den Gedanken meiner Brüder leſen kön⸗ nen, um dieſelben zu lenken oder mich vor ihnen zu

*) Mémoires pour servir à Thistoire des quatres derniers

souverains de la maison de Brandebourg royale de Prusse. Par le baron desböllnitz. Vol. I. P. 393.

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