der jetzt ſo einſam und liebeleer dieſem Bilde gegen⸗ überſtand, und dieſem einſt ſo geliebten Angeſicht ge⸗ ſtand, was er ſich ſonſt ſelber nicht geſtehen mochte: daß ſein Herz ſich einſam fühle, daß er ſich langweile.
Aber dieſes ſchwermuthsvolle Rückerinnern, dieſes wehmüthige Verſenken in die Vergangenheit dauerte nicht lange. Der König entriß ſich mit Gewalt dieſen gefährlichen Träumereien, und indem er von dem Bilde zurücktrat, warf er einen faſt gehäſſigen Scheide⸗ blick auf daſſelbe.
Dieſes Alles iſt Thorheit, ſagte er leiſe. Man ſoll die Todten nicht wecken und von der Gegenwart nicht verlangen, daß ſie noch die Farben der Ver⸗ gangenheit trage. Alle Farben bleichen, wenn ſie dem Sonnenſchein, dem Sturm und dem Regen ausgeſetzt ſind, und das Leben iſt nicht mit dauerhafteren Far⸗ ben angeſtrichen, wie irgend eine andere Decoration. Es ſind Waſſerfarben, nichts als Waſſerfarben; der erſte Regen löſcht ſie hinweg, und gut iſt es, daß es ſo iſt, man verliert dadurch ſeine Illuſionen und Täu⸗ ſchungen, man lernt erkennen, wie wenig das Leben werth iſt, und wie wenig ächt ſeine buntſchillernden Farben ſind. Fort alſo mit dieſen Gedanken, die einem Manne, und am allerwenigſten einem Könige nicht ziemen. Ich will arbeiten!
Er trat zu dem Schreibtiſch und griff nach den
verſiegelten Briefen und Paketen, welche dort für ihn
hingelegt waren. Ein Brief und ein Paket von der Königin, ſagte er dann verwundert, indem er den erſten Brief öffnete und ihn mit flüchtigem Blick über⸗ ſchauete. Dann flog ein ſpöttiſches Lächeln über ſein Angeſicht. Sie ſendet mir ihre franzöſiſche Ueber⸗ ſetzung eines Andachtsbuches, ſagte er achſelzuckend. Arme Königin, ihr Herz will immer noch nicht ſter⸗
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