——
Zwiſte und Streitigkeiten für immer entfernt, General Rothenburg hatte ſich auch für immer entfernt, nur daß er abgereiſt war in ein Land, von wannen keine Wiederkehr iſt, nur daß er geſtorben war. Mylord Marſchall war heimgekehrt nach Schottland, wie Alga⸗ rotti nach Italien, und Baſtiani hielt ſein Amt in Breslau feſt. Sansſouci, welches ſonſt der Mittel⸗ punkt heiterer Freude und lachenden Witzes geweſen, Sansſouci war jetzt einſam und ſtill; die Jugend, die
Schhönheit, der Frohſinn ſchienen es auf immer verlaſſen
zu haben, der Ernſt und die Pflicht hatten ſie ver⸗ drängt und thronten jetzt in ernſter Majeſtät in dieſen Räumen, welche ſonſt ſo oft das Lachen und den hei⸗ tern Scherz der glücklichen Genoſſen und Freunde des glücklichen Königs gehört hatten.—
Daran dachte der König, als er jetzt mit auf den Rücken gefaltenen Händen auf⸗ und abging, und die Tage, welche geweſen, an ſeinem innern Auge vor⸗ beiziehen ließ. Ganz in dieſe Gedanken verſenkt blieb er vor jenem Bilde ſtehen, das dort drüben über ſei⸗ nem Schreibtiſche an der Wand hing, und welches Barbarina darſtellte in dem reizenden Coſtüm einer Schäferin, in welchem der König ſie vor zehn Jahren zum erſten Male geſehen, und in welchem Pesne ſie für den König hatte malen müſſen. Welche Erinne⸗ rungen, welche Träume zogen durch die Seele des Königs, als er jetzt den Blick auf dieſes anmuths⸗ volle, lächelnde Geſicht, auf dieſe großen feurigen Augen heftete, deren Anſchauen ihn einſt ſo beglückt hatte. Aber freilich, dieſes Einſt war ſchon lange her, es war vorübergerauſcht, wie ein Sonnenblick an einem trüben ſtürmiſchen Tage, es hatte ſich längſt unter dunkle Wolken gebettet und begraben. Aber dennoech erwärmte die Erinnerung daran das Herz des Könige.


