Teil eines Werkes 
2. Theil (1839) Die Künstlerin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

,313

Wie, Koͤnigin, Sie ſtellen ſich den andern Frauen gleich? Sie nennen ſich beklagenswerth, und tragen eine Krone? Mir fehlt Etwas auf meinem Throne, mir fehlt der Freund, dem ich vertrauen, dem ich glauben kann. Siie war aufgeſtanden, und ging heftig auf und ab, dann blieb ſie vor dem Fuͤrſten ſtehen, der, ohne ein Auge zu ihr zu erheben, ruhig daſtand.

Wollen Sie mir dieſer Freund ſein? fragte ſie haſtig und als fuͤrchte ſie eine Unterbrechung, ſetzte ſie ſchnell hin⸗ zu: eich liebe Sie, Fuͤrſt.

Er aber ſank ihr nicht, wie ſie es erwartet hatte, zu Fuͤßen, in Worte des Dankes und der Freude ausbrechend, er hob nicht den Arm, ſie zu umſchlingen. Ruhig blieb er ſtehen und richtete feſt ſeinen durchdringenden Blick auf das gluͤhende Weib, und ſie ſchlug vor dieſem Blicke das Auge nieder.

Ich weiß es, ſagte er dann.

Sie ſchreckte zuſammen, und ein gluͤhendes Roth uͤber⸗ zog ihre Wangen. Wie, rief ſie hefti, Sie waren ver⸗ meſſen genug

In Eleonorens Augen zu leſen, Atgenetene er ruhig. Darf ich ſagen, was ich Alles darin fand?

Sprechen Sie frei, ſagte ſie raſch.

Es ſtand darin, daß Sie ihres bisherigen Geliebten uͤberdruͤßig, daß ſein wildes, rohes Betragen ſie zuruͤck⸗ ſchreckte, es ſtand darin der Wunſch, durch einen Andern den Guͤnſtling zu verdraͤngen, und dieſer Andere ſollte Fuͤrſt M. ſein, weil er eine neue Erſcheinung war, weil er nicht, wie alle Uebrigen, um eine Gunſt, einen Blick buhlte, weil