Teil eines Werkes 
2. Theil (1839) Die Künstlerin
Entstehung
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Wunderbares Weſen, murmelte Graf Ernſt, und traͤu⸗ mend ſtieg er die Stiegen hinab, ohne auf die muntern Scherze ſeiner Begleiter zu achten.

Kommt, rief jetzt Wilhelm von Halden, laßt uns ihr eine Serenade bringen, vielleicht gelingt es uns, noch ein freundliches Wort von ihr zu erhaſchen. 5

Ja, laßt uns Muſicanten holen, rief Carl, und Alle ſtimmten ihm bei.

Vergebens aber ſpielten die Muſici ihre ſchoͤnſten, ſchwaͤr⸗ meriſcheſten Stuͤcke, vergebens blickten die jungen Edelleute zu den erhellten Fenſtern der Kuͤnſtlerin empor, keine Hand zog die Gardine fort, kein Auge ſchien neugierig zu forſchen, wer wohl dort unten ſei, keine Stimme ſprach Worte des Dankes fuͤr ſo zarte Huldigung.

Sie iſt verzweifelt ſtolz, brummte Carl, und Alle gingen

verdrießlich in ihre Wohnung zuruͤck.

Wie lange habe ich geſchlafen! ſagte Emilie, verwundert nach der Uhr blickend, und dehnte und ſtreckte ſich gemaͤch⸗ lich im weichen Bette. Sie ſah unendlich reizend aus im kleinen zierlichen Nachthaͤubchen, aus dem hervor das reiche dunkle Haar quoil, die Wangen waren hoͤher geroͤthet vom erquicklichen Schlafe, das Auge glaͤnzte milder und weicher. Welche wunderbare Traͤume ich gehabt! fluͤſterte ſie leiſe wei⸗ ter, ich ſprach mit dem Fremden, erzaͤhlte ihm von meiner Jugend, von meiner Heimath. Wer mochte wohl der Fremde ſein?

Wie von neuen Gedanken angeregt, erhob ſie ſich raſch, hullte ſich in den bequemen Morgenrock und trat bluͤhend