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und friſch, wie eine junge Roſe, in Erneſtinens Zimmer, die ihr mit zierlicher Haltung, einem grazioͤs ſein ſollenden Laͤ⸗ cheln entgegentrat. Wunderbar war es anzuſehen, wie dieſe Beiden ſo neben einander ſtanden. Emilie mit den hellen Augen, den gluͤhenden Wangen, der hohen koͤniglichen Ge⸗ ſtalt, der ungezwungenen, ſchoͤnen Haltung, Erneſtine von Allem grade das Gegentheil. Steif und geziert, jede Miene berechnet, jede Bewegung wohl uͤberlegt; ſie lehnte, als ſie nun neben Emilie ſaß, die kleine Geſtalt zuruͤck, um die ſchlanke Taille hervorzuheben, ſie ſtreckte unter dem langen Gewande die Spitze des Fußes hervor, um ſeine Kleinheit zu zeigen, ſie hob langſam den Arm und ſtrich ſich mit der fla⸗ chen Hand die ſchon in fruͤher Morgenſtunde lang herab⸗ wallenden Locken aus dem Geſicht, um dabei die ſchmale, weiße Hand, die ſchoͤnen blonden Locken bewundern zu laſ⸗ ſen. Emilie ſah mit kaum merklichem Laͤcheln allen dieſen kleinen Coquetterien zu und verzieh ſie leicht, denn ſie kannte Erneſtine, ſie wußte, daß unter dieſer ſteifen, gezierten Huͤlle ein edles Herz ſchlug, das mit ſo dankbarer, inniger Liebe an ihr hing. Noth und Alleinſtehen hatte Erneſtine ver⸗ anlaßt, auf's Theater zu gehen, doch ihr unſchoͤnes Geſicht hinderte ſie in Allem; vielleicht hatte ſie Talent,— doch ward es nicht gepruͤft, denn„die Liebhaberinnen muͤſſen ſchoͤn ſein,“ ſagte der Director, ſo fielen ihr die Rollen der Ehrendamen, der Koͤniginnen zu. Emilie faßte Zuneigung fuͤr das ſtets leidende, ſtets ſchweigſame Maͤdchen, die ohne Klage und Murren ſich allen Anordnungen unterwarf, ſie bot ihr eine Stelle als Geſellſchafterin bei ſich an, unter der Bedingung, daß ſie die Buͤhne verließe. Freudig willigte


