9
Gewiß, lieber Solau, ſagte Emilie, und reichte dem Eintretenden freundlich die Hand. Ich bin nur fuͤr Sie zu Hauſe und brenne vor Neugierde zu wiſſen, was Sie zu mir fuͤhrt.
O uͤber Euch Weiber,— alſo auch Sie, Allerſchoͤnſte und Vortrefflichſte, leiden an dieſer Schwachheit, Sie, ſonſt uͤber alle Schwaͤche ſo erhaben.—
Ich bin aber auch nur ein Maͤdchen, lachte Emilie, und leide an Untugenden, wie nur je ein Maͤdchen. Doch nennen Sie es Wißbegierde, nicht Neugierde, und Sie wer⸗ den mir geſtehen, daß Wißbegierde uͤber allen Tadel erha⸗ ben iſt.—
Allerdings, Schoͤnſte, beſtaͤtigte Solau, und ich bin jetzt ganz enchantirt von Ihrer edlen— wie war doch das Wort?
Wißbegierde, lieber Geheimrath! Und nun ſchnell, ſetzen Sie ſich zu mir auf's Sopha.—
Sie nahmen Platz und Solau ſagte: ich verſpreche mir wenig oder gar keinen Erfolg von meiner erbetenen Unter⸗ redung. Doch gab ich mein Wort, und muß es loͤſen. Alſo heraus damit— ich komme mit einem Heirathsantrag.
Weiter nichts? fragte Emilie enttaͤuſcht.—
So fragen Sie, aber der, der mich ſendet, haͤlt es fuͤr etwas Großes und Wichtiges. Mein Neffe Ludwig liebt Sie.
Ich wußte es, ſagte Emilie, ernſter werdend, und es
rumir traurig um Ihretwillen.—
8* Und Sie lieben ihn nicht?—
Sie ſchuͤttelte verneinend das Haupt und ſchwieg. Nach einer kleinen Pauſe nahm Solau wieder das Wort: aber, liebſte Ffanndin, uͤberlegen Sie Alles wohl, ehe Sie Pich


