8 ““ Brief von meinem alten Freunde, dem Geheimrath Solau, er bittet mich um eine ungeſtoͤrte Stunde. Ich darf den Freund meiner Kindheit nicht umſonſt bitten laſſen. Ver⸗ troͤſte die Herren auf morgen, ſchloß ſie mit halb ſpoͤttiſchem Laͤcheln.—
Sie werden Sturm laufen, ſich nicht zufrieden geben, bis ſie dich geſehen, Emilie, bis ſie ſich an deinen Reizen erquickt haben, ſagte Erneſtine in gewohntem Pathos.—
Ich bitte dich, laß dieſe Reden— du ſo wenig, wie ich, glauben das.— Sage ihnen, ich ſei beſchaͤftigt mit meiner Rolle fuͤr heute Abend, und wolle nicht geſtoͤrt ſein.—
Macht Niemand eine Ausnahme, fragte Erneſtine, auch nicht Graf Carle— 4
Niemand, wiederholte Emilie ernſt. gelt. Nur der Geheimrath darf zu mir kommen.
Erneſtine ging hinaus und Emilie blieb allein.— Sie war, wie Graf Carl ſie geſchildert, nicht ſchoͤn, aber ein
es klin⸗
hoͤchſt anziehendes Geſicht. Aus den tiefen, dunklen Augen
ſprach Seele und Gefuͤhl, freilich auch etwas Stolz, um die gluͤhenden Lippen ſpielte ein froͤhliches, anmuthiges Pachein
und die roſigen Wangen, die klare Stirn zeigten, wie wenig.
von dem Schmerze des Lebens dieß junge bluͤhende Weſen noch empfunden. Die volle hohe Geſtalt war ſtolz empor gerichtet und einer Koͤnigin wuͤrdig, und der Fuß, die Hand von reizender Form und Kleinheit.
Jetzt ließen ſich Schritte im Vorſaale vernehmen, die Thuͤre oͤffnete ſich und ein freundlicher Greiſenkopf ſchaute hinein, und eine muntere Stimme fragte: darf ich?—


