Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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zagt, die Hand auszuſtrecken! Dieſer Moment iiſt

erhaben, unermeßlich!

Sie hört drinnen Geräuſch, Schritte! O, das iſt ſein Tritt, ſie erkennt ihn wohl, das iſt ſein Tritt. Jetzt, horch, welch ein Ton! Hörnerklang, hinſchmelzender, ſehnſuchtsvoller Klang. Ja, das iſt das Lied, das ſie ihm ſtets geſungen! Es iſt die Weiſe ihrer Heimath! Sie ſang es ihm als Kind, als Jungfrau, ſang es an jenem Abend, wo ſie zuerſt an ſeinem Herzen ruhte, an jenem Tage, wo ſie ihn zum letzten Male ſah! Sie lauſcht und lauſcht dieſen Erinnerungs⸗ und Hei⸗ mathsklängen, Freude, unnennbare göttliche Freude ſtrahlt aus ihren Blicken, und nun hat ſie die Kraft, die Thüre zu öffnen und einzutreten! Da ſteht er am Fenſter, abgewandt von der Thür, hört nicht vor ſeinen Waldhornklängen, wie dieſe ſich öffnet und ſchließt, ſieht nicht, wie Effie matt, kraftlos ſich an die Wand lehnt, zu ihm hinſchaut, ach, mit welchem Blick! Ein ganzes Leben liegt in ſolchem Blick!

Nun öffnet ſie die Lippen und ruft: Edward! Der Ton war ſo leiſe, die Stimme ſo zitternd! Edward vernimmt ihn doch, dieſen Ruf, der ſein derz erbeben macht, er weiß nicht, warum! Er dendet ſich und ſieht den Fremden an. Das⸗ iſt ſein Blick, ſein Angeſicht! Er iſt es, ihr Edward!