— 225—
„Edward, mein Edward!“ ruft ſie, und ſtreckt die Arme aus nach ihm, und vermag nicht, ihm entgegenzugehen, ihre Füße zittern ſo ſehr! 1
Er faßt mit der Hand an ſeine Stirn, als wolle er ſich beſinnen, und ſagt leiſe:„wie iſt mir denn? Dieſer Ton? Dieſe Stimme?“
„Edward! erkennſt Du Deine Effie nicht?“
Ein einziger Schrei, ein einziger Laut dringt von ſeinen Lippen, er ſtürzt hin zu dem Fremden, zieht ihn ſprachlos näher ans Licht, wirft den Matroſenhut von ſeinem Haar. Die langen Flech⸗ ten wallen hernieder!„Effie! Gott im Himmel! Meine Effie!“ Mit welchem Blick ſchaut ſie ihn an, ach, mit welchem entzückten Lächeln! Und er:„iſt's wahr, iſt's möglich?“
Er ſtürzt zu ihren Füßen hin, er umfängt ihre Knie, er blickt zu ihr auf, ſtrahlenden Auges, hochklopfenden Herzens.„Biſt Du es, biſt Du es wirklich? Es iſt kein Traum, kein Bild meiner Phantaſte? Du biſt's, biſt meine Effe?
„Ich bin's! Edward, mein Geliebter! Deine
Effie iſtis! Aus dem Kloſter bin ich entſprun
gen, um Deinetwillen. Ich traf Dich nicht auf Deinem Gut, nicht in London, nicht in Ham⸗ burg. Aber hier, hier biſt Du, biee bin ich; Dir nachgefolgt, um Dich nie wieder u d laſſen.“ 4
Die Flüchtlinge in London. II.


