Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Es iſt Friede in mir! Hinter mir liegen die Kämpfe der Welt, und nicht über die hohen Mau⸗ ern unſeres Kl oſter gartens hinaus reichet mehr das Wünſchen und Sehnen meiner Seele. Verſchwun⸗ den iſt alles Bangen und Zagen, verſchidunden alles Begehren und Sehnen, aller Drang nach Leben und That!

Ich danke Dir, allweiſer Gott, denn es iſt Friede in mir!

Und dieſer Friede gleicht dem Unſchuldslächeln eines Kindes, das in ſeinem Spielwerk die ganze Welt zu beſitzen wähnt, und weil alſo, ſie auch beſitzet.

Die höchſte Seligkeit iſt nichts anderes, als Friede der Seele, als Ruhe des Herzens. Ehe

ich ihn beſaß, war ich wie ein im Winde ſchwan⸗

kendes Rohr, jeder Moment brachte Gefahr des Zerknickens. Nun aber bin ich ſtark wie die Eiche, die ihre Krone gen Himmel erhebt und mit ihren grünen duftenden Zweigen dem Herrn ein Lob⸗ lied rauſcht. Jetzt fürchte ich nicht die kommende Stunde, nicht den werdenden Tag. Keine Stunde, kein Tag bringt etwas Ungewohntes und Neues; einer vergeht wie der andere, und ruhig und ſtill ſchleich

das Leben ſich hin, gleich einer Uhr, die in nie

ſtockendem, nie verändertem Gange Stunde nach Stunde bezeichnet mit gleichmäßig ruhigem Schlage! Miein Leben iſt Mechanismus geworden, und