und eilte ſchnellen Schrittes zu der ſinnenden Nonne hin. Ihre Kleidung war nicht verſchieden von der⸗ jenigen der andern Nonne, nur der weiße Schleier, der das Haupt und Haar der andern Nonne be⸗ deckte, fehlte, und ſtatt deſſen umwallten lange dunkle Locken Stirne und Geſicht des Mädchens, und fielen nieder auf ihre Schultern. Selbſt das dicke faltenreiche Gewand vermochte weder ihre volle ſchöne Geſtalt ganz zu verbergen, noch auch den Reiz der Ingend und Schönheit, der über dieſem ganzen Weſen ausgebreitet war, zu ver⸗ hüllen. 4
Langſam erhob die Nonne ihr Haupt, und ſagte ruhig und ohne Vorwurf:„Du kommſt ſehr ſpät, meine Tochter!“
„Verzeihung, Schweſter Natalie,“ antwortete die Andere raſch, und zog die Hand der Nonne an ihre Lippen,„Verzeihung, ich war eingeſchlafen vor Kummer und Ermattung.“
„Unſere hochwürdige Aebtiſſin hat geboten, daß ich in dieſer Nacht die letzte Vorbereitung zu der morgenden Feier mit Dir begehe,“ ſagte die Nonne, „laß uns denn zum heiligen Werke ſchreiten. Komm, und laß uns beten.“
Sie zog das Mädchen neben ſich nieder zum Gebet, und in leiſem Flüſtern bewegten ſich ihre Lippen, aber der ruhige Ausdruck ihrer Züge än⸗ derte ſich nicht, und keine Begeiſterung ſchien in ihrem Gebet zu ſein. 8


