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nur um die ſchmalen Lippen zeigte ſich ein eigener wehmüthiger Ausdruck, und als ſie jetzt die ſchwar⸗ zen großen Augen, über die in feingezeichneter Schwingung die ſchwarzen Brauen ſich wölbten, hinwandte auf das Muttergottesbild, war eine Fülle von Schmerz und Weh, von Seele und Leid darin zu leſen.
Sie beugte einen Augenblick ihre Knie und murmelte ein leiſes Gebet, aber man ſah an ihren theilnahmloſen Zügen, daß nur Gewohnheit, nicht Seelendrang ſie ſo thun ließ. Dann füllte ſie die Lampe vor dem Bilde aus dem Krug, der daneben ſtand, mit friſchem Oel, nahm wieder ihre eigene Lampe und wandelte gleichfalls den Gang hinab.
Dies Alles ſchien ihr mechaniſch zu ſein; auch hatte ſie ja ſeit zehn Jahren allabendlich dieſe näm⸗ lichen Verrichtungen geübt. Wie eine Geiſter⸗ erſcheinung ſchwebte die ätheriſche Geſtalt den Corridor hinab, und nur der unter ihren Füßen kniſternde Sand verrieth, daß ſie den Boden be⸗ rühre.
Durch die nur angelehnte Thüre trat ſie ins Refectorium, um auch dort die Lampe vor dem Muttergottesbilde mit friſchem Oel zu verſehen, und dann ſchritt ſie durch das Refectorium in die Kirche. Das Oeffnen der Thüre rief das Echo nuf in den hohen Kreuzgewölben der Halle und
durchrauſchte den Raum wie mit Geiſterton. Die Nonne achtete es nicht, mit ruhigen un 1 58


