Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Entstehung
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Bruder, der reiche Herr Blitz, geſtern plötzlich geſtorben iſt, und da er nicht verheirathet iſt, ſo ſind Sie die nächſte rechtmäßige Erbin!

Mein Bruder todt? fragte Sophie erſchrocken.

Seit geſtern! Ein Nervenſchlag hat ihn getödtet, man fand ihn mit einem Briefe in der Hand todt auf dem Sopha liegen. Auch ſcheint dieſer Brief vielleicht an ſeinem Tode ſchuld zu ſein, denn es war ein für ihn ſehr unangenehmer Brief. Er war, wie Sie wiſſen, mit einer Gräfin Stein verlobt, und in dieſem Briefe er⸗ klärte ſie ihm, daß ſie ihr Wort zurücknähme und nim⸗ mer ſeine Gattin werden könne.

Ich muß ihn noch einmal ſehen, ſagte Sophie ent⸗ ſchieden, wir haben uns im Leben lange gemieden, ich will mindeſtens von dem Todten in Frieden ſcheiden.

Carl ging ſchweigend, eine Droſchke zu holen, und bald fuhr er mit Sophie nach dem Sterbehauſe ihres Bruders.

Sophie ſtand tief erſchüttert neben der Leiche, und ihre Thränen benetzten deren kalten Wangen. Er hat mich nie geliebt, ſagte ſie zu Carl, der ſtumm und bleich neben ihr ſtand, und oft zürnte ich meinem Herzen, daß auch nichts für ihn empſinden konnte, nun aber empfinde ich doch, daß die geſchwiſterlichen Bande unzerreißbar ſind, und meine Seele trauert um ihn, der doch der Sohn meiner Mutter war.