269 Carl empfand alle die Wonne eines ſolchen genügfamen Glückes, und ſeine ganze Seele ging auf und erfüllte ſich an dieſem Glück. Er war heiter, geſprächig geworden, und das Bewußtſein, von Sophie mindeſtens als Bru⸗ der geliebt zu werden, verlieh ſeinem ganzen Weſen meht Sicherheit und Unbefangenheit. Ach, und mit welcher zarten Sorge und Liebe war er um Sophie bemüht, wie ſann er Tag und Nacht, ihr irgend eine kleine Freude, irgend einen abgelauſchten Wunſch zu erfüllen, und welche Freude verſchönte ſeine Züge, wenn es ihm gelang, Sophieen ein Lächeln abzugewinnen, ſie minde⸗ ſtens auf Augenblicke zu erheitern!— Sophieens Herz aber begann allgemach wieder zu erſtarken und zu geneſen, ihre Seele richtete ſich auf aus der langen Betäubung
des Schmerzes und der Qual, ſie begann wieder zu le⸗
ben und zu hoffen, wieder Theilnahme zu empfinden für ein Daſein, das ihr täglich durch eine treue Freundes⸗ hand verſchönt und erleuchtet ward. Sie liebte Carl wahrhaft als ihren Bruder, und kein Gedanke kam in ihre Seele von der Möglichkeit, Carl möge heißer und wärmer, möge eine andere Liebe für ſte empfinden. Ach, die Liebe lag ihr ſo fern, ſie war mit ihren Thränen weit hinweg geſpült von ihrem Herzen, das ſie ganz erſtorben wähnte, und ganz leer, und ſie war ſo unbe⸗ fangen gegen Cark, wie es eine Schweſter iſt, die ihren Bruder liebt und von ihm geliebt wird.— So ver⸗
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