gingen ihnen die Tage in Arbeit und Genügſamkeit; aber ein Zufall ſollte Eva aus dieſer Ruhe und Stille wecken und alle ihre Gefühle umwandeln.
Sie war allein in ihrem kleinen Zimmer. Ihre Arbeit war früher vollendet, als ſie erwartet hatte, ſie hatte für heute keine neue mehr anzufangen, und ſuchte deshalb nach irgend einem Buch, um die Zeit bis zu Carls Heimkunft mit Leſen zu verbringen. Sie fand keins, und doch hatte ihr vor wenigen Stunden Carl mehrere Bücher gebracht.
Er wird ſie vielleicht in ſeine Kammer getragen haben, ſagte ſie, und ging hinein; da fiel ihr Auge auf ein Buch, das neben den andern lag, und auf dem mit großen Buchſtaben geſchrieben ſtand: mein Tagebuch.
Dies Buch nahm Sophie, und kehrte damit zurück in ihr Zimmer. Wie überraſcht war ſie aber, darin Scenen ihres eigenen Lebens in ſchönen, ſinnigen Zeich⸗ nungen zu finden, Scenen, in denen Carl ſie geſehen, und die er dann auf das Papier übertragen. Aber dieſe Blätter erhielten noch eine andere Bedeutung durch die wenigen Worte, die unter jedes Blatt geſchrieben waren, und die jedesmalige Seelenſtimmung Carl's auszudrük⸗ ken ſchienen, die heißeſte, glühendſte und entſagende Liebe Carl's verriethen.— Sophie erröthete, und er⸗ bleichte, als dies Alles ſich für ſie enthüllte, und als ſie nun erſt die ganze Tiefe ſeiner Liebe, alle die Opfer der


