Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

48 er es Sophieen vorlas, er ſelbſt für das eſte, was er bis daher geleiſtet, erklärte.

Ich glaube wahrhaftig, ſagte er lachend, daß es mir gut und nützlich iſt, zuweilen durch Aerger und Zorn aufgeregt zu werden. Eine ewige Ruhe und Gleichmä⸗ ßigkeit, ja ich glaube ſelbſt, eine ewige Glückſeligkeit er⸗ tödtet den begeiſterten Dichter in mir, während ſolche kleine Störungen und Zwiſtigkeiten all' mein Blut in Wal⸗ lung bringen, wo mir dann ganz neue Gedanken kommen.

Sophie ſeufzte nur, und dachte, daß ſolche Poeſie doch ein wenig zu theuer erkauft ſei, und daß nicht der Himmelsthau, ſondern der Thränenthau ihres tiefen Wehes hinfort die Blüthen dieſer Poeſie werde erquicken und zum Leben ſtärken müſſen.

Als Carl am Abend dieſes Tages kam, gab er Bonaventura gern das Verſprechen eines unverbrüchli⸗ chen Schweigens über Sophieens Hierſein, und nun ſchien Bonaventura ganz zufrieden und beruhigt.— Von nun an aber kam Carl täglich, Sophieen mit Arbeit zu ver⸗ ſehen, und Abends das Vollendete fortzutragen; aber einer ihm ſelbſt unerklärlichen Scheu zufolge, vermied er es, zu kommen, wenn Bonaventura zugegen war; oft harrte er ſtundenlang in der Ferne auf den Moment, wo Bonaventura ſeinen gewöhnlichen Abendſpatier⸗ gang antreten würde, und erſt wenn er dieſen hatte aus⸗