ihr Geſicht. Dann floh ſie, wie vor einem ſie ereilen⸗ den Schrecken, in den äußerſten Winkel des Gemachs, und hier auf ihre Kniee niederſinkend, weinte und ſchluchzte ſie laut.
Dieſer wortloſe, tiefe Ausbruch des Schmerzes rührte Bonaventura. Er eilte zu ihr, er ſuchte ſie zu tröſten, er klagte ſich ſelbſt mit harten Worten an, und nannte ſie mit den zärtlichſten Namen. Je länger er ſprach, deſto mehr begeiſterte er ſich ſelbſt, für dieſe Idee ein reuiger Sünder zu ſein, und zuletzt hatte er ſich künſtlich ſo in Vorwürfe und die Reue hinein geſprochen, daß es ihm gelang ſich ſelbſt zu rühren, und daß Thränen in ſeinen Augen glänzten. Dieſe Rührung aber begeiſterte ihn zu neuer Gluth und zu Sophieens Füßen niederſinkend, flehete er um ihre Vergebung und ſchwur ihr neue und ewige Liebe. Sie zog ihn hoch entzückt und mit gläu⸗ bigem Vertrauen in ihre Arme; vergeſſen war aller Kum⸗ mer, alle Sorge, getrocknet waren alle Thränen des Schmerzes, und das reinſte, herzlichſte Glück beſeligte ſie wieder.
Alſo Carl war wirklich hier, ſagte Bonaventura Fäter, und als Sophie es bejahete, fuhr er heſtig fort: es konnte mir nichts Schlimmeres und Verdrießlicheres begegnen! Das fehlte nur noch, daß in meiner Abweſen⸗ heit ſolche Beſuche zu Dir kommen; ich kann alſo nicht einmal ruhig mehr ausgehen, ohne fürchten zu müſſen,


