Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Wochen war Eva hinein gezogen in den Strudel ge⸗ ſelliger Vergnügungen und Zerſtreuungen. Ueberall war man entzückt und erfüllt von der liebenswürdigen jun⸗ gen Frau, deren Schönheit man nicht genug preiſen, deren Anmuth und Verſtand man nicht müde werden konnte, zu bewundern und zu erheben. Und Eva war ſchön; in dem vollen Gefühl das Ziel erreicht zu ha⸗ ben, leuchtete ihr Auge in Stolz und Freude, brannte ein höheres Incarnat auf ihren Wangen, und umſpielte ihre purpurnen Lippen das holdeſte, glücklichſte Lächeln. Sie war heiter und unbefangen, voll Anmuth und Gra⸗ zie, voll Witz und Laune, und wenn ſich dann und wann ein ſchwärmeriſcher, ja ein faſt ſchwermüthiger Zug auf ihrem Antlitz zeigte, wenn ſie, inmitten heitern Geſprä⸗ ches, unwillkührlich tief und ſchmerzvoll ſeufzte, ſo er⸗ höhte das Wechſelvolle ihres Weſens nur noch die An⸗ muth und das Intereſſe ihrer Erſchemung. Aber was war es, was Eva oft ſo ſchwermuthsvoll blicken, ſo ſchmerzlich ſeufzen machte? Wen ſuchten ihre Augen, wenn ſie ſo forſchend und ſehnend umher irrten? Späheten ſie nach dem Gatten, der dort einſam, ſchweigend in der Fenſterniſche ſtand, mit Niemanden ſprechend, theilnahm⸗ los und ſtill, nur nach ihr ſchauend, nur an ſie den⸗ kend? Nur einen Moment ruhten ihre Augen auf ihm,

dann irrten ſie weiter, und ſchienen immer doch nur ver⸗ gebens zu ſuchen, denn grade dann pflegte Eva traurig