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Eva beugte ſich lächelnd zu ihm nieder: Und was wünſcheſt Du von mir?
Udo jeden Abend das Crucifix küſſen muß, ſagte er, ſchon wieder in ſeine frühere Redeform zurück ſin⸗ kend, Udo jeden Morgen den Engel, der am Crueffir iſt, küßt, und Eva auch ein Engel iſt, und Udo ſie auch, ach nur einmal, ein einziges Mal küſſen möchte.
Er ſah ſie dabei ſo flehend und angſtvoll an, daß Eva nicht die Kraft fühlte, ihm dieſe Gunſt zu verſagen. Und warum ſollte ich auch? dachte ſie, iſt er doch wie
ein unmündiges, großes Kind, und wer wollte einem
kranken Kinde eine Freundlichkeit verſagen?—
Sie reichte Udo lächelnd die Hand und ſagte mild: komm, ſtehe auf, Udo, und küſſe mich, wie Du Dein Crucifix küſſeſt!—
Udo flog empor mit einem gellenden Freudenſchrei, er preßte Eva in ſeine Arme, und drückte ſie feſt, feſt an ſein Herz, und bedeckte ihren Mund, ihren Hals mit ſeinen Küſſen. Vergebens ſtrebte Eva ſich aus ſeinen Armen zu befreien, feſt, wie mit eiſernen Banden hielt er ſie umſtrickt, und als ſie angſtvoll jetzt den Blick zu ihm erhob, begegnete ſie ſeinen Blicken, die im Feuer der Liebe und des Entzückens leuchteten, eines Entzückens, das nichts mehr gemein hatte mit dem Wahnſinn. Eva fühlte, daß es nicht ein blödſinniges Kind, ſondern, daß es ein Jüngling war, ein liebender Jüngling, der ſie in


