Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Entstehung
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ſeinen Armen hielt, und ihre Seele erbebte in Angſt und Entſetzen vor der entfeſſelten Gluth dieſes Jünglings.

Ich befehle es Dir, mich los zu laſſen, rief ſie mit einem ſo zornigen Ton, daß Udo zuſammen zuckte, und plötzlich die Arme ſinken laſſend, ſchüchtern und de⸗ müthig zurück trat. Schon begannen die Funken des Verſtandes in ſeinem Antlitz zu verblaſſen, und als Eva ihm jetzt zürnend den Rücken wandte, ſagie er weinend: Udo artig ſein will! Udo nie wieder das Crueifix küſ⸗ ſen will!

An der Thüre draußen aber ſtand Gräfin Jelſa horchend, und als ihr Sohn Eva in ſeinen Armen hielt, ſagte ſie mit einem boshaften Lächeln: der Knabe iſt gar nicht ſo dumm, wie man denken ſollte; er kommt meinen Planen ja, ohne es zu wiſſen, ganz herrlich ent⸗ gegen, und fördert ſie auf das Beſte. Gut, gut, um⸗ arme ſie nur recht feſt, dies eitle dumme, junge Weib, Du umarmſt zugleich ihren Reichthum, und ihr Geld, und wenn wir einſt Beides erobert haben, ſo will ich Dir gern die ſchöne Frau überlaſſen, und für mich nichts behalten, als den Reichthum und ihr Geld.

Als Eva jetzt in der Thür erſchien, zog die Grä⸗ ſin ſie in ihre Arme, und ſagte zärtlich: o meine theure geliebte Tochter, welch' ein Engel ſind Sie! Hier auf meinen Knieen lag ich und betete zu Gott für Sie, wäh⸗ rend Sie in Ihrer Barmherzigkeit ſich meines armen