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Sohne zu helfen, und Ihnen nützlich zu ſein. Aber ach es iſt ſo wenig, was ich für Sie thun kann! Sehen Sie ihn nur zuweilen gütig an, lächeln Sie ihm nur, erlauben Sie nur, daß er Ihre Hand, Ihr Kleid an ſeine Lippen drückt, das kleinſte Zeichen Ihrer Gunſt übt auf ſeinen Geiſt eine wahrhaft zau⸗ beriſche Wirkung. Ja, können Sie es denken, daß er geſtern, als Sie ihm erlaubt hatten, Ihren Fuß zu küſ⸗ ſen, nachdem Sie fort waren, faſt eine Stunde lang ganz richtig und zuſammenhängend geſprochen hat, ohne auch nur ein einziges Mal in jene unglückliche Verwir⸗ rung der Ideen zurück zu fallen? Und als er geſtern zu Bette ging, ſah ich ihn nieder knieen, die Hände falten und leiſe die Lippen bewegen. Als ich ihn fragte, für wen er bete, ſagte er mit einem entzückten Lächeln: für Eva, meinen Engel! Kommen Sie, laſſen Sie uns zu ihm gehen, ſagte Cva, in edler Aufwallung, ich habe ihn heute noch nicht geſehen, und muß ihm meinen Morgengruß bringen! Sie eilte der Gräfin voran die zweite Stiege hin⸗ auf und trat unangemeldet in das Gemach, in welchem der arme blödſinnige Jüngling ſaß, den Kopf in die Hand geſtützt, vor ſich hinſtierend, und ſein ſchönes. Ant⸗ litz überfluthet von Thränen.. Warum weint Udo? fragte Eva mit ſanftem Ton, und legte ihre Hand leiſe auf Udo's Schulter.


