249
nicht wahr, Eva, es war nur ein Mißverſtändniß? erwie⸗ derte ſie ruhig und kalt: nein es war mein Ernſt, und ich bin überzeugt, daß ich Recht habe in dem, was ich ſagte. Ich verachte das Volk von Grund meiner Seele, es iſt ſo roh und thieriſch, ſo niedrig denkend und ungebildet! da iſt kein Funken von Zartheit und Geiſt in ihm, und nur auf die Befriedigung der nächſten, thieriſchen Bedürfniſſe iſt ſein Sinnen und Denken gerichtet. In der täglichen Plage und Anſtrengung ihres Körpers, in dieſer phyſiſchen Arbeit geht ihr Geiſt unter und wird abgeſtumpft. Und darum iſt es ſo gemein und erniedrigend, von der Arbeit zu leben, von dieſer äußerlichen, körperlichen Arbeit, mit welcher der Geiſt nichts zu ſchaffen hat, die nur vielmehr den Geiſt zertritt und in den Staub erniedrigt, und dar⸗ um ſollte man, wenn man gezwungen iſt, die Arbeit als Exiſtenzmittel zu betrachten, dies mindeſtens nur als ein trauriges, unglückliches Geheimniß Jedermann verbergen.
Ralph hatte ihr ſchweigend zugehört, und der tiefſte Schmerz arbeitete und kämpfte in ſeinen Zügen; jetzt entſtürzten Ströme von Thränen ſeinen Augen, und ohne ein Wort zu ſagen, Eva nur mit einem unausſprechli⸗ chen Blick voll Schmerz und Liebe anſehend, eilte er hinaus. Dieſer Blick aber hatte Eva's Herz getrof⸗ fen, und das tiefſte Mitleid, die ſchmerzlichſte Reue be⸗ mächtigte ſich ihrer Bruſt. Sie wollte ihm nacheilen,
ihn um Verzeihung bitten, Mutter Anna aber hielt ſie 16**


