Teil eines Werkes 
1. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

236

fen vor der ganzen Menſchheit, vor der ganzen Welt, und daß kein unheiliger Gedanke einen Bund entweiht, deſſen Zeuge Gott war, und der nicht die Finſterniß, ſondern das Licht ſucht. Hand in Hand mit Dir, mein Bruder, kann ich meinem Gatten gegenüber treten; ich werde ihm ſagen: das iſt mein Bruder, den ich liebe, wie eine Schweſter, liebe auch Du ihn! Victor ſchüttelte leiſe das Haupt und ſagte in melancholiſchem Ton: es giebt Dinge, die zu heilig ſind, als daß die Welt ſie verſtehen und in ihrer himmliſchen Schönheit begreifen könnte, Dinge, die nur erhaben ſind, ſo lange ſie von Zweien gewußt und erſchaut, und wo die Mitwiſſen⸗ ſchaft und das Auge eines Dritten, wie der Mehlthau iſt, der die köſtlichſte Blüthe zerſtört und vernichtet. Nein, meine Eva, laß uns ihn Niemand verrathen, dieſen Bund der Seelen; wie man das Allerheiligſte im Hauſe des Herrn den Augen der profanen Menge entzieht und es einſchließt in geheiligtem Schrein, ſo wollen wir in un⸗ ſerer Bruſt verbergen dies Allerheiligſte unſeres Bundes, und nur Gott ſoll deſſen Zeuge ſein. Willſt Du mir das verſprechen? Willſt Du mir verſprechen, daß Niemand, Niemand auf der Welt von unſerm Bunde erfahren ſoll? Ich verſpreche es Dir, ſagte ſie, ihm ihre Hand hinreichend, ich verſpreche es Dir, mein Bruder, ſelbſt mein Gatte nicht ſoll es erfahren, und wenn es ein Un⸗ recht iſt, ein Geheimniß vor meinem Gatten zu haben, 3 14